Porträts Lokale Transition Inis

Gemeinschaftsgärten, Lastenfahrrad, Lebensmittelführer und vieles mehr

Susanne Wiegel und Jörn Hamacher stellen "Transition Town - Essen im Wandel" vor.

 

Gruppenfoto von Transition Town - Essen im Wandel im Siepentalgarten, Foto: Susanne Fiedler

Am 07.09.2016 hat das Transition Netzwerk gemeinsam mit Transition Town - Essen im Wandel und einige weiteren aktiven Transitioner*innen aus der Region die "In Tra(i)nsition Town Tour" und am Abend ein Podiumgsgespräch "Unterwegs zur grünen Haupstadt Europas - Essen 2017" zwischen Rob Hopkins und Essens Bau- und Umweltdezernentin Simone Raskob organisiert. Da lag es nahe einmal nachzufragen, welche Projekte und Aktionen denn Transition Town - Essen im Wandel umtreiben.

Das "Gespräch" wurde per Mail geführt. Susanne Wiegel hat zunächst die Fragen beantwortet, Jörn Hamacher hat ergänzt.

Die Fotos haben Susanne Fiedler und Michael Maas zur Verfügung gestellt.

Vielen Dank an Euch beide, Susanne und Jörn!

 

Wann und wie hat sich Transition Town - Essen im Wandel gegründet?
Susanne:
"Transition Town - Essen im Wandel" besteht seit 2012, unsere erste
Einführungsveranstaltung war am 22. März 2012 in der VHS Essen. Dem gingen Aktivitäten und die Erstellung des BENA - Nachhaltigkeitsguide 2012 der Initiative für Nachhaltigkeit der Universität Duisburg-Essen sowie die Veranstaltungsreihe "Reden von Morgen" und weitere Kurse der VHS Essen voraus und ebneten der Gründung unserer Initiative den Weg. Teil der Reihe von Veranstaltungen bei der VHS waren bspw. Vorträge von

  • Prof. Dr. Niko Paech: Leben ohne (grünes) Wachstum – weniger ist mehr!
    und
  • Christian Felber: Zeit für ein neues Wirtschaftssystem – die Gemeinwohl-Ökonomie als Alternative
  • Ein gemeinsamer Workshop von Prof. Dr. Niko Paech und Dr. Susanne Wiegel: "Wie rette ich meine Welt? Ein Workshop zum Jetzt-Anfangen"
  • Kurse von Dr. Susanne Wiegel - "Die Macht des Geldes - und wie es uns verändert"; "Vom Wissen zum Handeln – wie Veränderung möglich wird"; "Wem gehört die Welt?"; "Wir sind die Wirtschaft! und Es muss sich etwas ändern... wir gestalten unsere Zukunft selbst!"

Nach der Gründungsveranstaltung folgten eine Film-Matinée und monatliche Treffen, bei denen immer wieder thematisiert wurde, welchen Wandel wir für Essen anstreben und mit welchen konkreten Umsetzungsmaßnahmen wir beginnen können. Es folgten Kurzvorträge zum Geldthema, zu Terra Preta, zu Kryorecycling und dem Thema "Kreislaufwirtschaft". Die VHS Essen hat uns dabei von Beginn an unterstützt und uns Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Das ist auch heute noch der Fall, wofür wir sehr dankbar sind. Im März 2013 sind wir von der Volkshochschule sogar einmal mit deren Förderpreis ausgezeichnet worden. Das hat schon sehr motiviert!

Parallel zur Gründung haben wir uns um öffentliche Flächen bei Grün und
Gruga (Grünflächenamt) bemüht, um direkt zum Handeln zu kommen. Von den verschiedenen möglichen Themen hatte tatsächlich das gemeinschaftliche Gärtnern die stärkste Anziehungskraft.

Von unserem Ansprechpartner bei Grün und Gruga wurde der Wunsch auf
öffentlichen Flächen zu gärtnern positiv aufgenommen, und wir durften uns
den Ort dazu aussuchen. Das war schon mal ein erstes überraschendes
schönes Erlebnis!


Da aber in den eigenen Reihen des Grünflächenamtes noch viel Skepsis zu
überwinden war und schließlich die Bezirksvertretung zustimmen musste,
konnte dann genau ein Jahr nach unserer Gründung am 22. März 2013 der erste
Spatenstich im Siepental gefeiert werden.

Welche Projekte laufen in Eurer Gruppe?

Susanne:
Wir haben insgesamt neun Gemeinschaftsgärten, veranstalten eine Filmreihe, haben einen Lebensmittelführer veröffentlicht, betreiben zwei Repaircafés und betreiben eine Stadtteilnetzwerkgruppe mit Transition Town Ideen-Mobil und dem freiem Lastenrad ELA - das sich jeder, der es benötigt frei ausleihen kann. Zudem wirken wir mit an Bildungsveranstaltungen der VHS, von Schulen und der Hochschule. Im Aufbau sind Klimastadtführungen und Nachhaltige Nachbarschaftsgruppen.

Jörn:
Toll ist, dass viele Initiativen inzwischen Nachahmung in Essen gefunden haben, die nicht aus dem Transition-Kreis kommen, z.B. gibt es noch weitere Gemeinschaftsgärten (insgesamt zwölf in Essen; diese wurden z.B. von der öffentlichen Quartiersarbeit als Betätigungsfeld entdeckt!), es gibt mindestens 2 weitere Repaircafés in Essen, mindestens 2 weitere zumindest z.T. freie Lastenräder in Essen. Daran sehen wir: Die Ideen aus der Transition-Initiative, die sich bewährt haben kommen aus der Nische und werden Teil des gesamtgesellschaftlichen Diskurses!

 

Im Siepentalgarten mit Solarkochern, Foto: Susanne Fiedler

Was waren die schönsten Momente, die Ihr bisher miteinander feiern konntet?

Susanne:
Viele schöne Momente gab es für mich nach gemeinsam vorbereiteten Veranstaltungen wie z. B. einer kleinen darstellerischen Szene beim Kulturpfadfest in 2013 zum Thema „Das Blaue vom Himmel holen“, bei einem gemeinsamen Abend bei einem Studierendenseminar und bei den Workshops im Siepengarten - besonders als wir uns für die Demo „Wir haben es satt“ mit Solarkochen für die Agrarwende beteiligt haben.
Zu den besonderen Erlebnissen zählt für mich auch, dass nach längerem Verhandeln für die Übertragung weiterer Gemeinschaftsgärten davon abgesehen wurde, dass wir eine juristische Person stellen müssen. Unsere Erklärung, unterschrieben von einigen aktiven GärtnerInnen, wird nun voll anerkannt. Verwaltung im Wandel!

Wo hakt es bei Euch?
Welche Unterstützung könntet Ihr noch gebrauchen?

Susanne:
Immer, wenn sehr unterschiedliche Vorstellungen aufeinander prallen, z. B. zur Gestaltung in den Gärten. Oft sind es unterschiedliche Bedürfnisse an Strukturierung bzw. Freiheit und Flexibilität oder unterschiedliches Maß an Zeiteinsatz und Verantwortlichkeit. Wir brauchen immer wieder, dass wir Verständnis aufbringen für Verschiedenartigkeit und ein gutes Maß an Belastung für uns selbst finden. Die Verantwortung auf viele Schultern verteilen üben.
Dafür kann eine mediatorische Unterstützung bestimmt hilfreich sein.

Jörn:
Es fehlt an einer verbindenden Gruppendynamik und ein gemeinsames Verständnis für eine freudige Aufgabenverteilung. Die Offenheit von Transition Town ist hier ein Problem, so dass insbesondere administrative Aufgaben an einigen wenigen hängen bleiben. Außerdem ist es schwierig, Entscheidungen zu treffen, bei denen sich „alle“ mitgenommen fühlen. Die konsequente Anwendung von Methoden aus dem Transition Town-Werkzeugkasten wie Dragon Dreaming könnte hierbei große Abhilfe schaffen. Das kostet aber auch Zeit, die wir und dafür bisher nicht bereit waren zu nehmen...

 

 

Anspiel der Essener Transitioner*innen zum Podiumsgespräch mit Rob Hobkins und Simone Raskob, Foto: Michael Maas


Mit welchen weiteren Initiativen arbeitet Ihr zusammen?

Susanne:
Das sind eine ganze Reihe: Initiative für Nachhaltigkeit der Universität Düsseldorf, Foodsharing Essen, RUTE Runder Umwelttisch Essen, BUND, Greenpeace, EPA Essen packt an, Essener Tauschkreis 1996, eine Solargenossenschaft, das Waldforum. das Eine-Welt-Netz NRW, WissenSchaffenWandeln und bestimmt gibt es noch mehr…

Jörn:
Über die Initiativen hinaus sind da die Volkshochschule und das Bürger*innenzentrum Villa RÜ zu nenne, insbesondere letzeres wird mit einem breiten Angebot an Veranstaltungen und Anlaufpunkten aus dem weiteren Transition Town-Kontext zu einem Ort des Wandels.

Welche Projekte und Aktionen plant Ihr in der kommenden Zeit und im kommenden Jahr?

Susanne:

Im kommenden Jahr, dem Grünen Hauptstadtjahr, sollen zahlreiche Veranstaltungen in den Gärten stattfinden, ein Wandergarten an verschiedenen Orten, dazu Palettenbau-Workshops, Solarkocherbau-Workshops, Sensenmähkurse, Bienenhaltung in einigen Gärten. Klimastadtführungen sollen entwickelt und durchgeführt werden und der Lebensmittelführer neu aufgelegt. Wir kooperieren bei der fairventure-Tagung und versuchen die Nachhaltige Nachbarschaft in Essen zu verbreiten. Gerne sind wir auch Ort des Transition Netzwerk Treffens.

Wofür ist ein verzahnendes Transition Netzwerk gut?

Das Transition Netzwerk haben wir gerade als Verstärker und Unterstützer unserer Aktivitäten erlebt. Zusammenarbeit macht Vieles leichter und bringt Neues in die Welt! Die Erfahrung und die Kompetenzen der Netzwerk-Aktiven können in der Form vor Ort kaum erbracht werden.

 

 

Der Versuch eines Gruppenfotos bei der "In Tra(i)nsition Town Tour" im Essner Siepental-Garten im September 2016, Foto Susanne Fiedler

Was wünscht Ihr Euch für Eure Gruppe?

Susanne.
Dass wir immer mehr Aktive werden und dabei erstarken, dass Synergien entstehen, es miteinander leichter wird. Unterstützung und Anregung von außen ist dabei auch auf jeden Fall Hilfe und Bereicherung.

Jörn:

Dass wir eine gemeinsame Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel werden, sich alle, die wollen, mitgenommen fühlen, und wir achtsam miteinander umgehen. Und das auch, indem wir mehr werden, die sich für den Wandel in Essen einsetzen und Essen weiter wandeln und so weitere Domino-Effekte in der Stadtgesellschaft anstoßen :)

Weitere Informationen zu Transition Town - Essen im Wandel bekommt Ihr hier:

https://transitiontown-essen.de/